Montag, 1. Januar 2018

Heinrich Spoerl - Die Feuerzangenbowle (1933)




Mit dem Untertitel „Eine Lausbüberei in der Kleinstadt“ wird der Leser vor der ersten Seite bekannt gemacht, und schnell wird klar, dass es sich um ein durchaus humoristisches Werk handelt. Ich finde, dass es eine nette kleine Geschichte für zwischendurch ist, auch weil man das Buch ziemlich schnell durchlesen kann.


Eines Tages sitzen Männer bei einer Feuerzangenbowle und schwelgen nostalgisch in den Erinnerungen ihrer Schülerzeit am Gymnasium. Der eine übertrumpft den anderen mit immer gemeineren Streichen, die gespielt wurden, und die ganze Stimmung ist eine recht heitere. Allgemeines Gelächter herrscht. Nur der junge Dr. Johannes Pfeiffer kann sich nicht mit den Geschichten identifizieren. Seines Zeichens mit 24 Jahren bereits erfolgreicher Schriftsteller, hat er nie ein Gymnasium besucht und erlebte nie dergleichen. In der sich ausbreitenden Wärme der Feuerzangenbowle kommen die Männer auf die Idee, dass Pfeiffer sich doch in eine Schule als Schüler einschleichen und dort alle diese Erfahrungen nachholen könne. Pfeiffer selbst lebt in Berlin und ist mit Marion verlobt, entschließt sich aber angeregt von der romantischen Vorstellung ein junger Schüler zu sein dazu, der Idee zu folgen und besucht tatsächlich das Gymnasium Babenberg. Ob seines jungen Aussehens kommt er damit durch und erlebt fortan den Schulalltag eines deutschen Gymnasiums Anfang des 20. Jahrhunderts. Er freundet sich mit seinen Mitschülern an, spielt Streiche an Lehrern, lässt Unterricht ausfallen, trinkt Alkohol und bandelt mit der schönen Eva an (die Tochter des Schuldirektors Knauer).

Recht wilde Bilder spielen sich da ab, aber getragen ist alles von einer sorglosen Leichtigkeit. Als „Loblied auf die Schule“ wird die Erzählung eingeleitet, und die vorherrschende Heiterkeit vermittelt genau diesen Eindruck. Für meinen Geschmack war es etwas zu einseitig dargestellt, da die gesamte Geschichte alles ausnahmslos im Positiven darstellt. Etwa wird der kleine Luck ja eindeutig von seinen Mitschülern gemobbt; dieser aber hat laut dem Erzähler keinerlei Probleme damit und nimmt diese Behandlung für sich als selbstverständlich und beinahe als unbedingt erforderlich so hin. Erst als er von einem Lehrer ungerecht behandelt wird, fühlt er sich schlecht behandelt. Das liest sich inkonsequent. Man könnte vielleicht sagen, dass Luck dennoch zur Gruppe gehört und er eine Toleranz aufgrund dieser Angehörigkeit aufgebaut hat, aber das ist genau ein Missstand, der ja in jeder Schulklasse anzutreffen ist und hier kritischer geschrieben hätte werden können. Allerdings ist das meinerseits vielleicht auch nur eine falsche Erwartungshaltung, da sich das Buch durchaus als Komödie versteht und einfach unterhalten, auch im Leser nostalgisches Gedankenschwelgen an die eigene Schulzeit hervorrufen möchte.

Es ist in dem Sinne ein ziemlich romantisches Buch, als der eigentlich rationale, abgeklärte Schriftsteller Pfeiffer sich in der Vorstellung der Zurückkehr zum Schulbuben ergeht und ohne Rücksicht auf Verluste diese fixe Idee realisiert. Es ist im Grunde nicht sehr anspruchsvoll geschrieben und lässt sich sehr schnell durchlesen. Meine Ausgabe hatte dazu einige hübsche Illustrationen, die stets passend platziert waren und ebenfalls in geradezu karikiertem Stil gezeichnet waren. Kurzum: es ist eine nette kleine Geschichte, in der die Streiche und die Schulzeit glorifiziert werden, allerdings bewusst ohne kritische Darstellungen und dergestalt eben etwas flach.



Bertelsmann Lesering (mit Genehmigung des Droste Verlages Düsseldorf)
192 Seiten
Illustrierte Ausgabe von 1962 (Illustrationen von Gottfried Rasp)


Wertung: 6 / 10

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