Sonntag, 12. August 2018

Thomas Bernhard - Holzfällen (1984)






Nach der großen Glenn Gould-Widmung „Der Untergeher“, welches ich ziemlich genau vor einem Jahr gelesen habe, liegt mir nun ein weiterer Roman Bernhards vor. Bezeichnenderweise trägt das Buch jedoch nicht den gängigen Untertitel „Roman“, sondern „Eine Erregung“. Ich wunderte mich, was es wohl damit auf sich hatte, und wurde bald auf deutliche Weise fündig. Viele Eindrücke beim „Untergeher“ wiederholten sich, störten mich aber nicht mehr so wie damals. Vielleicht war ich nun auf das vorbereitet, was mit Bernhards Sprache auf mich zukommen würde – jedenfalls hat mir das Lesen viel Spaß gemacht.

Sonntag, 29. Juli 2018

J. M. Coetzee – Schande (1999)





Man soll zwar das Buch nicht nach seinem Cover beurteilen, aber unweigerlich ist es doch ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob man ein Buch kauft, das man nicht – oder nur in Ansätzen kennt. Im Falle von „Schande“ hat mich das Cover sofort gefangen und ohne zu wissen, worum es in dem Buch geht, wollte ich es lesen. Es ist mein erster Kontakt mit dem südafrikanischen Autor Coetzee, der im Jahre 2003 den Literaturnobelpreis erhalten hat und dadurch freilich eine gewisse Erwartungshaltung bei mir erzeugte.

Sonntag, 15. Juli 2018

Jewgeni Samjatin - Wir (1920)






Bereits im Jahre 1920 zeichnete Samjatin mit seinem Roman „Wir“ das dystopische Szenario einer Gesellschaft ohne Individualität. Er schielte dabei auf das Heranwachsen des sowjetischen Kommunismus und zeigte damit vor der eigentlichen Etablierung dieses Systems außerordentlichen Scharfsinn und Weitsichtigkeit. Das Ergebnis ist nichts Geringeres als der Urvater und das Vorbild, mindestens jedoch wesentlicher Einfluss für alle später folgenden Dystopien: Aldous Huxley mit „Schöne neue Welt“ (1932), George Orwell mit „1984“ (1949), Ray Bradbury mit „Fahrenheit 451“ (1953) – um nur die größten zu nennen.

Sonntag, 8. Juli 2018

Ryūnosuke Akutagawa - Rashomon (1927)




Akutagawa gilt als der Begründer und Meister der japanischen Kurzgeschichte. Neben Natsume Sōseki nimmt er eine besondere Position in der modernen japanischen Literatur ein, denn im geschichtlichen Kontext waren es gerade diese beiden, die sich von dem allgemeinen Bestreben der Nachahmung westlicher Einflüsse im Zuge der Meiji-Regierung lösen und vielmehr eine japanische Eigeninterpretation in der Literatur versuchen wollten.

Sonntag, 1. Juli 2018

Sei Shōnagon - Kopfkissenbuch (ca. 1000)





Das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shōnagon ist eines der ältesten Werke in der japanischen Literatur. Die Entstehungsgeschichte des Buches hat damit zu tun, dass die Hofdame einen ganzen Papierstoß von der damaligen Kaiserin geschenkt bekommen hat. Sei Shōnagon wollte das Papier zu ihrem „Kopfkissenbuch“ verarbeiten – das war damals ein gängiger Begriff für Aufzeichnungen, die man sonst lediglich seinem Kopfkissen anvertraut hätte.

Sonntag, 24. Juni 2018

Natsume Sōseki – Sanshirō (1908)





Sanshirō wurde von Sōseki früher als Kokoro geschrieben, jenes Meisterwerk, das meinen Einstieg in sein Werk gebildet hat. Es hat eine ähnliche Grundstimmung und beleuchtet erneut das Leben eines jungen Studenten in Tokyo. Insgesamt ist es ein gutes Buch, aber es hat mir definitiv nicht so gut gefallen wie Kokoro.

Sonntag, 10. Juni 2018

Philip Roth – Portnoys Beschwerden (1969)



Philip Roth, der seit vielen Jahren als Romancier des höchsten Ranges in der amerikanischen Literatur gilt, verstarb kürzlich im Alter von 85 Jahren. Sein selbst auferlegtes Ende der schriftstellerischen Karriere beschloss er bereits 2012, und nur durch einige Artikel und Interviews machte er danach noch auf sich aufmerksam. Seinen Tod nahm ich mir zum Anlass, endlich einen Roman von ihm zu lesen – Portnoys Beschwerden aus dem Jahre 1969 lag schon länger auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Zurück blieb ich mit sehr gemischten Gefühlen zu dem Buch.

Sonntag, 3. Juni 2018

Natsume Sōseki - Kokoro (1914)




Natsume Sōseki ist neben Ryūnosuke Akutagawa der wohl berühmteste und erfolgreichste Vertreter der modernen japanischen Literatur. Dieser Roman, dessen Titel übersetzt so viel wie „Herz“ bedeutet, gilt als sein Magnum Opus und als absoluter Klassiker in Japan. Da ich mich in nächster Zeit wieder vertieft mit japanischer Literatur auseinandersetzen möchte, war es für mich klar, dass ich mit diesem Buch anfangen wollte. Ich kann den Reiz des Buches verstehen, aber dennoch bin ich auf ein paar ideologische Fragestellungen gestoßen.

Samstag, 26. Mai 2018

Lewis Carroll – Alice’s Adventures in Wonderland & Through the Looking-Glass (1865/1871)




Die beiden Bücher über die kleine Alice, die in eine wundersame Welt hineingerät und allerhand Gestalten begegnet, haben einen so unumstrittenen Stellenwert in der englischsprachigen Literatur, wie nur wenige andere Werke. Die Bücher waren bereits bei Erscheinen ein riesiger Erfolg, und heute, etliche Verfilmungen und Adaptionen später, ist Alice ohne Zweifel ein zeitloser Klassiker geworden. Jeder Generation dienen die skurrilen Erzählungen Carrolls aufs Neue zum Staunen, zur Belustigung, auch zum Reflektieren. Die beiden Bücher zu lesen war mir eine Freude, jedoch nicht ganz ohne Abstriche.

Montag, 21. Mai 2018

Haruki Murakami - Von Beruf Schriftsteller (2015)




Mit diesem Buch liefert Murakami zwar nicht gerade eine umfassende Autobiographie, wie es ein Zitat auf der Rückseite propagiert, aber an Persönlichkeit fehlt es dennoch nicht. Es handelt sich um eine Sammlung von thematisch abgeschlossenen Texten über seinen schriftstellerischen Werdegang, seine Schreibgewohnheiten und vieles mehr. Als Zusatzinformation zu Murakamis Schaffensprozess ist es interessant und durchaus lesenswert.

Sonntag, 13. Mai 2018

Yasunari Kawabata - Die schlafenden Schönen (1961)




In „Die schlafenden Schönen“ verarbeitet der japanische Literaturnobelpreisträger eine Ausgangssituation, die geprägt ist von Mysterium, Zärtlichkeit, Selbstreflektion und Ästhetik. Mit großer Kunstfertigkeit geht er dabei ans Werk: es ist ein stilles, sensibles Buch, und höchst lesenswert.